Zitationsanalyse von juristischen Hausarbeiten

Wie oft wird in juristischen Hausarbeiten Literatur und Rechtsprechung zitiert? Was kann daraus für die durchschnittliche juristische Hausarbeit und die Anforderungen an Studierende abgeleitet werden? Als Grundlage für eine Analyse dienen Hausarbeiten der Zeitschrift für das Juristische Studium (ZJS).

Frido Frido
Zitationsanalyse von juristischen Hausarbeiten

Einleitung

“Habe ich genug Quellen zitiert?” oder “Wie viele Fußnoten sind eigentlich normal?“. Diese Fragen stellen sich Jurastudierende semesterübergreifend und bewegen sich im juristischen Studium meist im Rahmen eines diffusen Erwartungshorizonts. Dozierende sprechen von “ausreichender Belegdichte”, “fundierter Recherche” oder “angemessener wissenschaftlicher Diskussion”. Und was bedeutet das konkret in Zahlen?

In diesem Beitrag soll dieser und weiteren Fragen nachgegangen werden: Wie oft wird in juristischen Hausarbeiten Literatur und Rechtsprechung zitiert? Wie hängen Quellenlänge und -menge zusammen?

Als Grundlage für diese empirische Analyse dienen Hausarbeiten der Zeitschrift für das juristische Studium (ZJS), die als Musterlösungen für Studierende konzipiert sind. Ausgehend von der Annahme, dass es sich bei diesen Veröffentlichungen um Musterlösungen handelt, lässt die Analyse Rückschlüsse darauf zu, welche „Belegdichte” durchschnittlich in juristischen Hausarbeiten erwartet werden kann.

Methodik

Auswahl der Hausarbeiten

Als Grundlage der Analyse wurden die 21 neuesten Übungsfälle der ZJS herangezogen, die von den Autor:innen als Hausarbeiten klassifiziert wurden. Dabei wurden jeweils 7 Hausarbeiten pro Rechtsgebiet analysiert.

Aufbereitung der Daten

Die ausgewählten Hausarbeiten sind jeweils aufgeteilt in Sachverhalt, Gutachten und enthalten gelegentlich zusätzliche Lösungs- und Korrekturhinweise.

Im ersten Schritt wurden die einzelnen Hausarbeiten für die Analyse aufbereitet. Diese Vorarbeit war notwendig, um eine valide Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen Arbeiten herzustellen. Der Sachverhalt, das Inhaltverzeichnis und die Kopf- und Fußzeile wurden vollständig entfernt. Die Hinweise und Anmerkungen der Autor:innen, die ausschließlich für die Fallkorrektur gedacht sind, wurden ebenfalls entfernt. Diese methodisch-didaktischen Kommentare würden das Bild verzerren, da sie nicht Teil einer studentischen Hausarbeit wären. Falls diese Hinweise ebenfalls mit Belegen in Fußnoten versehen waren, wurden auch diese Fußnoten nicht in die Analyse mit einbezogen. Für die Differenzierung zwischen der Zeichenlänge mit und ohne Fußnoten war es notwendig, von jeder Hausarbeit eine Version zu erstellen, die keine Fußnoten enthält. Dies ermöglicht eine Unterscheidung des reinen Fließtextes von den Zitationsapparaten.

Auswertung der Fußnoten

Der zweite und arbeitsintensivste Schritt bestand in der manuellen Auswertung aller Fußnoten. Dabei wurde für jede Hausarbeit festgehalten, wie oft Literatur und Rechtsprechung jeweils zitiert wurden.

Da es nicht das Ziel dieses Beitrages ist, eine qualitative Analyse vorzunehmen, sondern es insbesondere darum geht, den quantitativen Aufwand der Quellenarbeit festzuhalten, wurde bei der Kategorisierung ein weiter Literaturbegriff zugrunde gelegt: Zur Literatur zählten nicht nur klassische Lehrbücher, Kommentare und Aufsätze, sondern auch Entscheidungsanmerkungen, Bundestags-Drucksachen, wissenschaftliche Gutachten und andere schriftliche Quellen.

In die Gesamtanzahl der Fußnoten einer Hausarbeit wurden auch die Fußnoten einbezogen, die keine eigentliche Quellenangabe enthielten. Dazu gehören beispielsweise interne Querverweise („siehe bereits oben“), methodische Hinweise oder andere Anmerkungen.

Grenzen der Analyse

Folgende methodische Einschränkungen sind bei dieser Analyse zu beachten, die insbesondere bei der Interpretation der Ergebnisse berücksichtigt werden sollten:

Begrenzter Datensatz

Mit 21 ausgewerteten Hausarbeiten handelt es sich um eine Stichprobe. Während dies für erste aussagekräftige Tendenzen ausreicht, wäre für statistisch noch robustere Aussagen eine größere Datenbasis notwendig. Insbesondere eine Analyse von Unterschieden zwischen den drei Rechtsgebieten ist mit jeweils nur 7 Hausarbeiten pro Gebiet nicht aussagekräftig und daher nicht Gegenstand des Beitrags.

Einfluss der ZJS-Schriftleitung

Die ZJS verfolgt als wissenschaftliche Zeitschrift bestimmte redaktionelle Standards und Vorgaben. Die Schriftleitung stellt spezifische Anforderungen an die Autor:innen, die sich auch auf die Zitationsweise auswirken. In den Hinweisen zur Erstellung von Manuskripten der ZJS sind spezifische Vorgaben zur Zitierweise in den Fußnoten vorgegeben. Diese Vorgaben wirken einerseits verzehrend, da sie oftmals nicht deckungsgleich sind, mit denen die an Studierende gestellt werden. Andererseits vergrößern einheitliche Vorgaben die Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Hausarbeiten der ZJS. Richtlinien zur Mindest- oder Maximalzahl von Beiträgen sind in den Hinweisen nicht enthalten. Es ist aber nicht auszuschließen, dass entsprechende (eventuell auch implizite) Vorgaben von den Autor:innen der Hausarbeiten beachtet werden mussten.

Layout-Wechsel und dessen potenzielle Auswirkungen

Ein nicht zu vernachlässigender Aspekt ist der Umstand, dass die ZJS ihr Layout im Jahr 2023 geändert hat. In die Analyse sind insgesamt 5 Arbeiten mit eingeflossen, die in Form des älteren Layouts publiziert wurden. Vor 2023 wurde von der ZJS ein zweispaltiges Layout genutzt, ab 2023 wurde zu einem einspaltigen Layout gewechselt. Dies könnte durchaus Einfluss auf die Zitationsweise gehabt haben, beispielsweise durch veränderte Seitenumbrüche, andere Fußnotenformatierung oder neue Vorgaben zur Textlänge.

Keine Differenzierung bei Mehrfachzitationen

Eine qualitative Einschränkung der Analyse liegt darin, dass nicht erfasst wurde, wie häufig dieselbe Quelle wiederholt zitiert wurde. Eine Hausarbeit mit 50 Zitaten kann theoretisch auf 50 verschiedene Quellen zurückgreifen oder auch nur auf fünf Quellen, die jeweils zehnmal zitiert werden. Im ersten Fall würde man von einer weitreichenden Recherche sprechen, im zweiten Fall von einer intensiven Auseinandersetzung mit wenigen Werken. Diese Differenzierung wäre für die Bewertung der inhaltlichen Tiefe und Recherchequalität relevant. In diesem Beitrag soll jedoch versucht werden, eine quantitative Auswertung des Zitierverhaltens vorzunehmen.

Auswertung

Im Folgenden werden die erhobenen Daten in verschiedenen interaktiven Visualisierungen präsentiert. Die Diagramme sind interaktiv gestaltet und ermöglichen es, die Daten zu „erkunden“. Du kannst mit den Grafiken interagieren, einzelne Datenpunkte hervorheben oder ausblenden und so eigenen Beobachtungen anstellen. Alle Visualisierungen basieren auf demselben Datensatz und sind miteinander verzahnt. Wenn beispielsweise in der ersten Grafik einzelne Datenpunkte angeklickt werden, werden diese aus der Analyse ausgenommen und auch in den anderen Grafiken nicht mit einbezogen.

Textlänge und Fußnotenanzahl

Für einen ersten Überblick zeigt Abbildung 1 die Länge der Hausarbeiten im Verhältnis zur Anzahl der enthaltenen Fußnoten. Dabei hast Du die Möglichkeit auszuwählen, ob Leerzeichen bei der Zeichenzählung berücksichtigt werden sollen oder nicht. In die Zeichenanzahl wurde nicht der Fußnotentext miteinbezogen. Die Daten offenbaren interessante Durchschnittswerte: Im Mittel waren die analysierten Hausarbeiten 35.816 Zeichen lang (mit Leerzeichen) und enthielten aufgerundet 77 Fußnoten. Etwa alle 465 Zeichen erschien also eine Fußnote. Dabei gibt es die erwartbare Tendenz, dass mehr Zeichen auch mit mehr Fußnoten einhergehen.

X-Achse: Textlänge (Zeichen)
Y-Achse: Anzahl Fußnoten
(Abb. 1 Textlänge und Fußnotenanzahl)

Verteilung von Literatur und Rechtsprechung

Nach der Darstellung der grundlegenden Struktur von Textlänge und Fußnotenzahl, soll nun analysiert werden, wie viele Quellen pro Hausarbeit insgesamt zitiert werden, und wie die Verteilung zwischen Literatur einerseits und Rechtsprechung andererseits aussieht. Im Durchschnitt wurden dabei 130 Quellen pro Hausarbeit zitiert.

Sortieren nach:
X-Achse: Hausarbeiten
Y-Achse: Anzahl Quellen
(Abb. 2 Anzahl zitierter Quellen pro Hausarbeit)

In der folgenden Darstellung wurden Rechtsprechung und Literatur normalisiert worden, um das Verhältnis genauer betrachten zu können. Im gerundeten Durchschnitt wurden zu 70% Literatur und 30% Rechtsprechung zitiert.

X-Achse: Hausarbeiten
Y-Achse: Anteil (%)
(Abb. 3 Verhältnis von Literatur und Rechtsprechung)

Dies spiegelt die Erwartung wider, dass in juristische Hausarbeiten ein Schwerpunkt auf der wissenschaftlichen Diskussion liegt und sich mit verschiedenen dogmatischen Positionen auseinandergesetzt werden soll.

Zusammenhang zwischen Textlänge und Zitationsdichte

Als letztes soll der Frage nachgegangen werden, ob eine größere Anzahl an Quellen mit einer durchschnittlich geringeren Quellenlänge einher geht.

Die folgende Visualisierung zeigt daher das Verhältnis zwischen der durchschnittlichen Quellenlänge (in Zeichen) und der Anzahl der zitierten Quellen. Zusätzlich kann auch die Textlänge des Beitrags durch die Größer der einzelnen Datenpunkte dargestellt werden.

X-Achse: Quellen pro 1.000 Zeichen
Y-Achse: Ø Quellenlänge (Zeichen)
(Abb. 4 Quellendichte und -länge)

Hausarbeit-Rechner

Aufbauend auf der bisherigen Analyse haben wir ein praktisches Tool, den Hausarbeit-Rechner entwickelt: Dieses interaktive Instrument berechnet basierend auf der geplanten Zeichenzahl, wie viele Fußnoten und Quellen statistisch zu erwarten sind und wie viel Arbeitszeit durch den Einsatz von AdvoCite engespart werden kann.

So funktioniert der Rechner

Der Rechner nutzt die Durchschnittswerte aus unserer Analyse, erlaubt aber gleichzeitig, die Berechnung individuell anzupassen. Du hast die Möglichkeit, einzelne Datenpunkte aus unserer Studie aus- oder abzuwählen. So könnnen Ausreißer nach oben oder unten berücksichtigt werden.

Zeitersparnis mit AdvoCite

Die präzise Zitation von Quellen ist ein Grundpfeiler wissenschaftlichen Arbeitens. Die Quellenarbeit bindet entsprechend viel Zeit, die eigentlich für die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Fall zur Verfügung stehen sollte. Die Zeitintensität des juristischen Zitierens erklärt sich dabei aus einer Vielzahl von Anforderungen, die parallel beachtet werden müssen. Zunächst steht am Anfang der ersten juristischen Hausarbeit die Notwendigkeit nachzuvollziehen, welche unterschiedlichen Werktypen es gibt. Jeder dieser Werktypen folgt eigenen Zitierregeln, die sich stark unterscheiden. Hinzu kommt die Wahl des richtigen Zitationsstils, der je nach Universität, Fakultät oder Lehrstuhl variieren kann.

Die richtige Reihenfolge der Quellen innerhalb einer Fußnote muss beachtet werden. Jede Fußnote endet mit einem Punkt. Wiederholungen müssen durch „Ebd.“ oder ähnliche Abkürzungen gekennzeichnet werden, wobei die Regeln hierfür je nach Zitationsstil unterschiedlich sind. Querverweise müssen aktuell gehalten werden. Eine besondere Herausforderung entsteht, wenn im Laufe des Schreibprozesses neue Quellen hinzugefügt werden und sich dadurch die Nummerierung verschiebt. Außerdem muss parallel ein vollständiges und konsistentes Literaturverzeichnis gepflegt werden.

Aus unserer Erfahrung sind zwei Aspekte besonders zeitintensiv: Erstens die Einhaltung eines einheitlichen Zitierstils über die gesamte Arbeit hinweg. Alle Autor:innennamen müssen beispielsweise konsequent kursiv gesetzt werden, Jahreszahlen immer an derselben Stelle stehen, Seitenzahlen einheitlich abgekürzt werden. Diese Konsistenz herzustellen erfordert ständige Aufmerksamkeit und oft mehrfache Überarbeitungen. Zweitens entsteht ein permanentes Hin- und Her zwischen einer neu eingefügten Quelle und dem Versuch, das Literaturverzeichnis aktuell zu halten. Jede neu eingefügte Quelle muss nicht nur in der Fußnote korrekt formatiert, sondern auch im Literaturverzeichnis ergänzt werden, wobei stets Aspekte, wie die alphabetische Sortierung erhalten bleiben muss.

Nicht zuletzt geht hiermit ein ständiger Workflow-Bruch einher. Mitten im Gedankenfluss muss man unterbrechen, um eine Quellenangabe korrekt zu formatieren. All diese Unterbrechungen reißen aus dem inhaltlichen Arbeiten heraus und machen es schwieriger, den roten Faden der eigenen Argumentation zu behalten.

Wenn man diese Faktoren zusammennimmt, ist es aus unserer Sicht angemessen, von durchschnittlich 5 Minuten Zeitaufwand pro Quelle auszugehen.

Nutzer:innen von AdvoCite müssen sich mit all diesen aufgezählten Problemen nicht mehr herumschlagen. Die Software automatisiert die mechanischen Aspekte des Zitierens vollständig und reduziert das Zitieren auf das Wesentliche: die richtige inhaltliche Verweisung. Konkret bedeutet das: Das einmalige Eintippen einer Quelle ist eine Sache von etwa einer Minute – und danach ist die Arbeit getan. Die Formatierung erfolgt automatisch nach dem gewählten Zitationsstil, das Literaturverzeichnis wird automatisch gepflegt und aktualisiert, Querverweise bleiben auch bei nachträglichen Einfügungen korrekt. Die Anordnung mehrerer Quellen in einer Fußnote neben anderen Quellen muss überhaupt nicht mehr bedacht werden, da die Software die korrekte Sortierung übernimmt.

Bei einer durchschnittlichen Hausarbeit mit 130 Quellen ergibt sich eine Zeitersparnis von über 8 Stunden (genauer: 8 Stunden und 40 Minuten). Das ist mehr als ein ganzer Arbeitstag, den Du sinnvoller in die inhaltliche Ausarbeitung Deiner Argumente, die Recherche oder die Verfeinerung Deines Gutachtens investieren kannst

Probiere es selbst aus: Gib die geplante Zeichenzahl ein und berechne, welche Erwartungen sich daraus ableiten lassen.

Interaktiver Rechner

Wichtiger Hinweis

Die Werte in der Tabelle ändern sich dynamisch, je nachdem, welche Datenpunkte oben aus- oder abgewählt werden.
82
erwartete Fußnoten
142
erwartete Quellen

Hierfür brauchst du manuell ungefähr 11 Stunden und 50 Minuten.
Mit AdvoCite sparst du 9 Stunden und 28 Minuten.

Aktuelle Berechnungsgrundlagen

Unter Berücksichtigung der von Dir ausgewählten Datenpunkte basiert der Hausarbeit-Rechner auf folgenden aktuellen Durchschnittswerten aus unserer Analyse:

Kennzahl Durchschnitt
Fußnoten 76,6
Quellen (Literatur + Rechtsprechung) 129,4
Zeichen (ohne Fußnoten, ohne Leerzeichen) 35.816
Zeichen (ohne Fußnoten, mit Leerzeichen) 41.494
Zeichen (mit Fußnoten, ohne Leerzeichen) 43.767
Zeichen (mit Fußnoten, mit Leerzeichen) 50.937

Fazit

Die vorliegende Analyse bietet einen datengestützten Einblick in die Zitationspraxis juristischer Hausarbeiten. Es gibt durchaus messbare Standards und Erwartungen, auch wenn diese selten explizit kommuniziert werden.

Qualitative Einordnung: Die bloße Einhaltung dieser Zahlen garantiert keine gute Hausarbeit. Entscheidend ist die inhaltliche Qualität der Argumentation, die sinnvolle Integration der Quellen und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Positionen. Die Zahlen bieten aber eine wertvolle Orientierung für die Arbeitsplanung und helfen dabei, einzuschätzen, ob man mit seiner Zitationsweise im erwarteten Rahmen liegt.

Zeitökonomische Perspektive: Mit durchschnittlich 8-10 Stunden reiner Zitationsarbeit pro Hausarbeit wird deutlich, welches Effizienzpotenzial in der Verwendung geeigneter Tools liegt. Die Zeitersparnis durch AdvoCite kann sinnvoller in die inhaltliche Vertiefung investiert werden.

Wir freuen uns über Feedback, Anregungen und Hinweise auf weitere interessante Fragestellungen rund um das Thema juristisches Zitieren. Frido erreichst Du unter frido.uebachs@advocite.com

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